Anders Erik

Die künstlerischen Anfänge von Erik Anders sind in den frühen 1980er Jahren zu finden. Als Autodidakt begann er sich vorerst mit klassischen künstlerischen Disziplinen, wie Natur- und Körperstudien, auseinanderzusetzen, die er in Aktstunden bei Fritz Martinz vertiefte. Im Künstlerehepaar Ysabell von Bayern und Alfred Hoyos fand er die Förderer, die den jungen Künstler ermutigten, sein Talent weiter zu entwickeln. Anfang 1990 erfolgte die Auseinandersetzung mit abstrakten Tendenzen, wie dem Informel, der geometrischen Abstrakten und der japanischen Formensprache, die er sehr reduziert einsetzte. Um 1995 fand er schließlich in der Malerei mit Acryl auf großformatigen Leinwänden das Medium, das seinem „Kunstwollen“ perfekt entsprach.

Um diese Zeit entwickelte Erik Anders mit Gitterstrukturen seine eigene Formensprache. In einem additiven Verfahren werden Bildstrukturen vielschichtig miteinander verwoben. Die Transparenz der einzelnen Schichten ermöglicht eine Rekursion auf die eigene Entstehung und damit die Visualisierung des Arbeitsprozesses per se. Vielschichtigkeit als künstlerische Methode erweitert jedoch auch die Bildfläche um die räumliche Dimension. Figuren und Objekte entwickeln sich aus der Tiefe heraus und brechen die Zweidimensionalität auf. Wie in Vexierbildern versetzt die komplexe Gitterstruktur die Oberfläche in Bewegung. Die unterschiedlichen Farbschichten, die feinmaschig übereinander gelagert sind, verleihen den dargestellten Objekten einen intensiven, beinahe irisierenden Farbcharakter und einen hohen Grad an Körperlichkeit. Der menschliche Körper, oft verwoben in erotische Szenen, ist neben Landschaften und Portraits auch das bevorzugte Thema in den Arbeiten von Erik Anders.

Mag.a Angelika Romauch

 

Auszug des künstlerischen Werdeganges

EINZELAUSSTELLUNGEN:

2017 Lichtraum Eins / Wien

2016 Art@Nisselgasse / Wien

Lichtraum Eins / Wien

2013 Lichtraum Eins / Wien

2012 Galerie Merikon / Wien

2011 art-com gallery / Wien

2009 art-com gallery / Wien

1998 Volkskunde Museum / Wien

1997 BMW / Wiener Neustadt

1996 Salon Muscarina / Wien

Art im Leopold / Wien

Gymland Galerie / Baden

1995 Galerie FIO / Baden

Rock House gallery / Wien

Atelier-Galerie / Vöcklabruck

Werbeagentur Mang-DMB&B / Wien

Studio Ausstellung / Wien

1992 Le Petit Galerie / Wien

1991 Le Petit Galerie / Wien

 

GRUPPENAUSSTELLUNGEN:

2017 Kunst zu Recht / Wien

Kunst am Börsepark / Wien

2016 Kunst am Börsepark / Wien

2013 Galerie am Salzgries / Wien

2012 Ragnar Hof Galerie / Wien

2010 SAC 2010 / art-com gallery /Wien

1998 SAC 98 / Hamada Children’s Museum of Art / Japan

Galerie ARTerie / Wien

SAC 1998 / Atelierhaus Laber, Wien

1997 Steel Art Connection 1998 / Semper Depot, Wien

1996 Ward Nasse Gallery / New York

14th Street-West Exhibition / New York

Ward Nasse Gallery / New York

1995 14th Street-West Exhibition / New York

1994 Palais Auersperg / Wien

1992 Palais Liechtenstein / Wien

 

SYMPOSIUM:

1998 Steel Art Connection 98 (SAC)/ Hiroshima, Japan

 

INTERNETGALERIE:

2016 Saatchi Art / New York

 

KÜNSTLERISCHE AUSBILDUNG:

1988 – 1989 Künstlerische Volkshochschule Wien

1984 – 1986 Tanz Forum Wien

 

 

 ERPOFE 2

Zur bildnerischen Arbeit von Erik Anders

 

Als mich Erik Oliver Anders fragte, ob ich zu seiner nächsten Ausstellungseröffnung über seine Arbeit sprechen könnte, dachte ich: ich kenne seine Arbeiten aus der Vergangenheit. Das sollte sich als Irrtum herausstellen, denn als ich mich näher mit seinem Werk befasste, entdeckte ich ein sehr abwechslungsreiches und thematisch wechselhaftes Oeuvre.

Es gibt aber etwas, das seine unterschiedlichen Sujets verbindet, etwas, das mehr ist als nur eine formale Eigenheit oder eine stilistische Ausprägung. Das ist “der Farbtropfen”.

Als zentrales Element seiner malerischen Technik bezieht er sich damit auf die frühen Atomlehren der griechischen Antike (Demokrit ca. 450 v.Chr.) oder auf das indische „Milinda Panha“, ein Gespräch zwischen König Milinda und dem Lehrer Nagasena über das Ganze und seine Teile (2.-1. Jh. v.Chr.) bis hin zur modernen Teilchenphysik. Nichts ist im Wesen so, wie es erscheint. Der größte Teil dessen, was uns als feste Materie vertraut ist, ist Leerraum. Erik Anders setzt seine Bilder aus einem Grundbaustein zusammen – dem Farbtropfen.

Da finden wir Anklänge an den Pointilismus eines Georges Seurat aus den 1880er Jahren – die Zerteilung der farblichen Wahrnehmung in einzelne Tupfer reiner Grundfarben als Folge neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse über Licht und Farblehre. Aber auch deutliche Parallelen zum Action Painting eines Jackson Pollock in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts fallen auf. Erik Anders nennt auch eine Serie seiner Arbeiten “Drippings”.

Erik Anders hat von Anfang an den Ehrgeiz, den Tropfen zu steuern, ihn gezielt einzusetzen. Er experimentiert, spritzt den Tropfen mit dem Pinsel, verfeinert die Technik und wird im Verlauf der letzten 15 Jahre quasi zum “Dompteur der Farbtropfen”.

Der Punkt allein ist ihm zu wenig. Also beginnt er, den Tropfen auf der Leinwand fließen zu lassen (hier erwähnt Anders auch Nitsch als Vorbild). Linien entstehen! Durch Drehen der Leinwand ändert sich auch die Flussrichtung und folglich der Verlauf der Linien. Und damit hat Erik Anders seine Grundelemente: Punkt und Linie.

Die Linien werden zahlreicher, Raster entstehen, über einander gelegt in mehreren Schichten bilden sich Strukturen, die abstrakter nicht sein können und trotzdem Anmutungen von Gebäuden, Städten, Szenerien wecken. Dieses Wechselspiel aus Gegenständlichkeit und Abstraktion wurzelt wohl auch in Kandinsky’s kunsttheoretischer Schrift “Über das Geistige in der Kunst”(1910). Eine weitere Wurzel taucht im japanischen Buddhismus auf; frei formuliert: “Zen, oder die Kunst einen Tropfen fallen zu lassen”.

Erik Oliver Anders hat von jedem Bild, bevor er damit beginnt, eine sehr genaue Vorstellung, teilweise auch Skizzen. Und dann geht er daran, diese Vorstellung möglichst präzise auf die große Leinwand zu bringen. Zufällige Formen werden dabei möglichst ausgeschlossen. In mehreren Schichten, teilweise an die Lasuren eines Mark Rothko erinnernd, entstehen fast räumliche Wirkungen, die mit Verdecken und Transparenz spielen. Mit dieser aufwändigen Maltechnik, durch unterschiedliche Gitterstrukturen, verschiedene Tropfenformen und -größen erzielt Anders eine fast dreidimensionale Tiefenwirkung und Durchlässigkeit.

Diese Durchlässigkeit und Offenheit ist auch charakteristisch für die Haltung von Erik Anders im Leben. Ständig neugierig, bereit für Anderes, rasch im Aufgreifen neuer Themen –

besonders, wenn es sich um “Witziges” handelt. Er liebt das Spielerische, zugleich aber auch die konzentrierte Wahrnehmung und Auseinandersetzung mit Themen. Entsprechend fallen auch die Titel seiner Arbeiten aus – oft wie Rätselaufgaben, die zum aufmerksamen Betrachten, zum Untersuchen seiner Arbeiten und zum „darüber reden“ verführen, gerne auch provokant oder als Wortwitz formuliert (“Ich Casanova, ich”).

Und mit Casanova kommen wir schließlich auch zum Titel der heutigen Ausstellung: Erotik – Pornographie – Fetisch.

Vorangesetzt sei ein Originalzitat von Erik Anders: “Sexualität ist letztlich Natur”!

Und die zeigt sich in vielfältigen Bedürfnissen, Ausprägungen und Spielarten.

Kein anderer Bereich unserer sozialen Interaktion ist geeignet, so zu reizen und zu polarisieren, so tabuisiert zu werden und zugleich so präsent zu sein.

Sex in der Werbung, Gleichgeschlechtliche Ehe oder Swinger Clubs auf der einen Seite, radikale Ablehnung von Homosexuellen, Vergewaltigung oder Instrumentalisierung auf der anderen Seite. Aufgeschlossenheit und Verdammung liegen oft dicht bei einander und sind manchmal auch unter der Selben Maske der Bigotterie verborgen.

Warum ist es so schwierig über die Vielfalt menschlicher Leidenschaften offen zu sprechen? Warum werden Fetische, wenn sie mit Sexualität zu tun haben, aus dem öffentlichen Diskurs verbannt? Warum halten wir Scheinwelten aufrecht, obwohl doch viel mehr Menschen ein verborgenes Bedürfnis nach dieser oder jener sexuellen Variation haben?

Erik Anders geht dieser Problematik auch in dieser zweiten ERPOFE-Ausstellung nach. Und er tut das mit dem für ihn typischen Witz (“Autsch”) und entwaffnender Direktheit. Und er tut es mit seiner speziellen Maltechnik, die uns immer wieder daran erinnern soll: “NICHTS IST WIRKLICH”, alles ist ein Produkt von Wahrnehmung und Vorstellungen.

Ich möchte Sie alle jetzt einladen, sich seinen Bildern zu stellen. Untersuchen Sie Ihre Vorstellungen und tun Sie es in seinem Sinn – mit einem zwinkernden Auge.

 

Gerhard Flekatsch

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